IPUblic Blog: Podiumsdiskussion: Umweltpsychologie in Praxis und Beruf. Wie weit kommt man mit umweltpsychologischem Fachwissen?

Beim 38. IPU-Kongress (3.-6.11.2011) waren am Samstagmorgen vier „alte Hasen“ der IPU zu einer Podiumsdiskussion geladen, um über ihren Berufsweg sowie entscheidende Kompetenzen, Chancen und Hürden in umweltpsychologischen Berufen zu sprechen.

Den Start machte Roman Dashuber, der im Think-do-Tank „Thema 1“ arbeitet. Dort ist er an der Entwicklung und Umsetzung verschiedener Projekte und Kampagnen zu klimaverträglichem Konsum,  wie z.B. „Green Music Initiative“ beteiligt. Außerdem organisiert er mit der Berliner „Jour Fixe der Berliner Nachhaltigkeitsinitiativen“ ein spannendes Netzwerk. Er ist über konkrete Projekte während des Studiums wie UniSolar Berlin, einer Energiesparkampagne und der Organisation einer Nachhaltigkeitsveranstaltungsreihe der Initiative für Nachhaltige Entwicklung in die Umweltpsychologie gelangt.
Der zweite auf der Podiumscouch war Elmar Große Ruse. Derzeit ist er beim Naturschutzbund als Referent für Energiepolitik und Klimaschutz tätig. Nach seinem Studium arbeitete er schon einmal als Bildungsreferent bei der Naturfreundejugend. Dazwischen war er wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Abgeordneten des Bundestages.
Auch Mathias Hoffmann stellte seinen Berufsweg vor. Er ist im Moment übergangsweise als Studienberater tätig und hat nach dem Studium eine Dissertation zur Wahrnehmung und Bewertung grüner städtischer Brachflächen geschrieben. 
Selma  L‘Orange, letztes Mitglied der Podiumsrunde, ist als Umweltbeauftragte in der Stadtplanung tätig und schreibt zudem ihre Doktorarbeitarbeit zur Akzeptanz  der Carbon-Storage-Technologie (CCS). Sie ist in der österreichischen IPU aktiv.

Die zweite Runde eröffnete die Moderatorin, mit der Frage, was bzw. welche Kompetenzen den Podiumsteilnehmenden halfen, hinzukommen, wo sie hinwollten. Besonders wertvoll sei es, vielfältige Erfahrungen neben dem Studium zu sammeln, indem man eigene Projekte organisiert oder Praktika macht, da waren sich alle vier einig. Das schaffe Kompetenzen im Projektmanagement und kreiere zahlreiche Kontakte. Diese sollten  über Netzwerke, wie z.B. die IPU ausgebaut werden. Umweltpsychologisches Wissen sei in einigen Kontexten äußerst nützlich, auch die psychologischen Forschungsmethoden. Elmar wies noch darauf hin, dass es gar nicht unbedingt die eigenen Kompetenzen seien, die einem den Weg ebnen, sondern oft die Zuschreibung von Kompetenzen durch andere. Dabei könne man einen guten Eindruck auf zwei Weisen geschickt unterstützen. 1) Wenn man sich als Umweltpsycholog_in vorstelle, sei dieser Begriff vielen noch nicht bekannt. Dadurch erhalte man ca. eine halbe Minute lang die ungeteilte Aufmerksamkeit. Für diese 30 Sekunden sollte man eine überzeugende Erklärung parat haben, die einen für das Gegenüber interessant mache. 2) Außerdem sei es sinnvoll als Nebenfach etwas „Handfestes“ zu belegen, wie z.B. BWL oder eine Naturwissenschaft, um einen besseren Eindruck zu machen.
Ein weiterer Tipp der Runde war, dass man sich auch auf Stellen bewerben sollte, die nicht explizit für Psycholog_innen ausgeschrieben seien. Selma ergänzte noch, dass es um in die Kampagnenarbeit zu kommen gut sei, viele Schreibaktivitäten vorweisen zu können.

In der Diskussion wurden auch Chancen und Schwierigkeiten interdisziplinären Arbeitens erörtert. Umweltpsycholog_innen arbeiten oft mit Menschen aus anderen Disziplinen, wie der Biologie, Ökologie, Bodenkunde, Politik oder Wirtschaftswissenschaft zusammen. In solchen Kontexten fungieren Psycholog_innen oft als Übersetzer_in zwischen den Disziplinen, indem sie die dahinterliegenden Konzepte erkennen. Die Podiumsteilnehmenden merkten auch an, dass Psycholog_innen im interdisziplinären Kontext eine große Neugier und Interesse an Zusammenarbeit entgegen gebracht wird. Allerdings, so Selma,  sei es manchmal unangenehm keine_n Austauschpartner_in zu haben, mit dem/r man psychologische Herangehensweisen abgleichen kann. Man stehe aber von daher nicht so alleine da, wurde weiter erörtert, weil Umweltpsycholog_innen sich durch ihre geringe Anzahl und ihr gutes Netzwerk untereinander kennen und helfen. Des Weiteren müsse man lernen, auf Unternehmer_innen und verschiedene Partner_innen einzugehen und Strategien zu entwickeln, um eigene Themen auf die Agenda zu bekommen.

Als  vorletzte Frage wurden die Podiumsteilnehmenden gebeten, Tipps zur strategischen Ausrichtung der IPU zu geben. Folgende Ideen wurden geäußert: Weiterhin Netzwerk über halbjährige Treffen und Mailinglist pflegen; überlegen, wie man die IPU weiter voranbringen kann; mehr konkrete Kampagnen und Projektarbeit; Aktualisierung und Pflege der Homepage und der Praktikumsplattform sowie eine stärkere Social-Media-Nutzung .

Zum Abschluss gab jede_r auf dem Podiumssofa ein paar Ratschläge für den Weg ins Berufsleben für jene, die diesen noch vor sich haben. Im Prinzip waren sich alle einig, dass man einfach machen sollte, wofür man brennt und seinem Herzen folgen soll. Man brauche, die die es als Umweltpsycholog_innen ins Berufsleben geschafft haben, nicht vergöttern, meinte Elmar. Er habe vor gewisser Zeit auch an der gleichen Stelle gesessen, und auch nicht mehr Kompetenzen oder Netzwerk gehabt.  Mathias riet außerdem zu entspannen und darauf zu vertrauen, was mit einem passiert. Ralf riet nochmals dazu, konkrete Projekte zu organisieren und schwärmte, dass dies neben Kompetenzgewinn und wachsenden Netzwerken auch Stolz auf das Erreichte bringen würde. Auch Selma meinte, dass universitäre Tätigkeiten bedeutsam  seien, um zu spüren, dass man mit seinem Ansinnen nicht alleine sei. Aber auch Fremdsprachkenntnisse erachtete sie als wichtig.

Damit war eine gelungene Einstimmung auf den weiteren Kongress gelungen, für die ich den Teilnehmenden und der Moderatorin im Namen aller Zuschauer_innen danken möchte!

Protokollantin: Daniela Kirchner