Umweltpsychologie – Umweltschutz verstehen lernen

Warum protestieren Menschen gegen Windräder, wollen aber Ökostrom aus der Steckdose? Warum ist mein Mitbewohner Vegetarier, fliegt aber mit dem Flugzeug in den Urlaub? Wie wirkt sich der Autolärm stark befahrener Straßen auf das Wohlbefinden der Anwohner aus? Mit solchen Fragen beschäftigt sich ein Teilgebiet der Psychologie: die Umweltpsychologie.

Umweltpsycholog_innen untersuchen den Zusammenhang zwischen Umweltwissen und Umweltverhalten. Sie erforschen die Veränderung des Mensch – Natur – Verhältnisses in Zeiten der Globalisierung und suchen nach besseren Strategien Menschen nachhaltigen Konsum und umweltbewusstes Handeln näherzubringen. Sie forschen zur Akzeptanz erneuerbarer Energien, untersuchen psychische Folgen der Umweltbelastung und mischen sich in die Weiterbildung von Umweltmaßnahmen ein. Auf einen Nenner gebracht: Gegenstand der Umweltpsychologie ist die Beschreibung, Erklärung und Veränderung umweltbezogenen Erlebens und Verhaltens, sie untersuchen sowohl Einflüsse der Umwelt auf den Menschen als auch die Beeinflussung der Umwelt durch den Menschen.

Da wir Menschen uns vorwiegend in Umwelten bewegen, die von Menschen gestaltet wurden, gibt es eine enge Verknüpfung mit anderen Teildisziplinen der Psychologie wie der Architekturpsychologie oder Verkehrspsychologie und ebenso viele interdisziplinäre Arbeiten. Einige der zentralsten Forschungsfragen dabei: Wie können wir Menschen dazu bewegen, durch ihr Verhalten ihren eigenen Lebensraum, den ihrer Mitmenschen und den zukünftiger Generationen aktiv zu erhalten? Die Forschung zeigt oft, dass viele Probleme und Zerstörungen durch Gewohnheitshandeln entstehen und durch fehlende Regeln wie mit Gemeingütern (z.B. Luft und Wasser) umgegangen werden soll. Es wird davon ausgegangen, dass Menschen nicht allein durch das Wissen um ihr schädigendes Verhalten wie Autofahren nur noch Rad fahren. Sondern sie halten daran fest teils aus Gewohnheit, teils aus dem Gedanken heraus: Wieso soll ich zuerst damit aufhören? Die Umweltpsychologie will den Menschen als Verursacher und Betroffenen von Umweltschäden in die Planung und Durchführung von Umweltschutzmaßnahmen einbeziehen.

 

Ein Artikel von IPU-Mitglied Alexander Wernke, erschienen in der "Grünzeugs" (Ausgabe März 2012)