IPUblic Blog: Generation Nachhaltigkeit - Wann, wenn nicht wir?

IPUs moderieren Workshops auf Humboldts studentischer Konferenz.

Humbold hält eine Konferenz ab? Nee, aber Studierende der HU Berlin luden vom 1. - 3. Dezember 2011 Studierende aus ganz Deutschland auf die zweite Konferenz "Generation Nachhaltigkeit“ am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin geladen. Unter dem auffordernden  Titel “Wann, wenn nicht wir?“ beschäftigten sich über hundert Studierende verschiedenster Fachrichtungen  intensiv und transdisziplinär mit dringlichen Fragestellungen rund um Nachhaltigkeit.
Kernpunkt der Veranstaltung waren fünf parallele Workshops zu den Themen  „Nachhaltigkeit im Alltag“,  „Wie ernähren wir die Welt?“, „Im Zeitalter erneuerbarer Energien“, „U[rban]topia“ und „Mobilität – Verkehr kommt in Bewegung“. In den zweitägigen Workshops analysierten die Teilnehmenden die Probleme in den behandelten Themenfeldern und suchten nach kreativen Lösungen.

Dabei wurden drei Workshops von IPU-Mitgliedern ehrenamtlich moderiert. Dies war keine einfache Aufgabe! Denn so breite Themenfelder konstruktiv zu analysieren, und dann noch in so kurzer Zeit zu vereinzelten Problemen Lösungsideen zu entwickeln erfordert einen straffen Zeitplan und die Auswahl der richtigen Methoden.

Doch wie sich bei der Vorstellung der Workshop -Ergebnisse am letzten Tag zeigte, war dieser Spagat in allen Gruppen gut gelungen. So wurden vielfältige Lösungsideen vorgestellt, z.B. zum Thema Mobilität ein e-Bike-Verleih zur nachhaltigen Verbindung von Stadt und Land, im Bereich Alltag hielt man neben einigen Top-Down-Ansätzen kollektive Entrepreneurships (ähnlich PREMIUM Cola) für einen interessanten Ansatz und zum Thema Ernährung wurde eine deutschlandweite Aktionswoche geplant, um Menschen für das Thema nachhaltige Ernährung und ökologische Landwirtschaft zu sensibilisieren. Doch das ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt der Ergebnisse. Im Moment wird an einem Konferenzbericht gearbeitet, in den der Prozess samt Ergebnissen einfließen soll.

Warum ist das interessant für IPUs? Zum Ende der Workshops kamen nahezu alle Gruppen zu dem Schluss, dass psychologische Expertise notwendig sei um Lösungsstrategien zu entwickeln und effektiv umsetzen zu können. Unter den Teilnehmenden befand sich leider jedoch nur ein IPU, der sein psychologisches Wissen konstruktiv einbringen konnte.

Neben den Workshops wurde der Kongress durch spannende Input-Beiträge von querdenkenden Referierenden bereichert. Es gab inspirierende Vorträge, die Einblicke in verschiedene Denkschulen boten und Raum für die kritische Auseinandersetzung mit bereits etablierten Konzepten gaben. So kritisierte Professor Michael Braungart (Professor an den Universitäten Rotterdam, Twente und Lüneburg) die bisherigen auf Verzicht und Schadensreduzierung orientierten Ansätze als „rückwärtsgewandtes Schuldenmanagement“ und stellte als Alternative das „Cradle to Cradle“-Prinzip vor. Dieses Prinzip versucht Produkte so zu gestalten, dass sie einen zusätzlichen Nutzen bringen, auch wenn ihr eigentlicher Zweck schon erfüllt ist („von Wiege zur Wiege denken“) anstatt nur die Schädlichkeit unserer Produkte zu verringern.

Professor Holger Rogall (Professur für Nachhaltige Ökonomie, HWR Berlin und Kopf der  EPEA Internationale Umweltforschung GmbH) prangerte an, dass nachhaltige Überlegungen bisher kaum Eingang in die wirtschaftswissenschaftliche Lehre gefunden haben und Studierende im fortgeschrittenen Studium z. B. nicht wüssten, dass nicht Personal sondern Ressourcen den größten Kostenfaktor in einem Unternehmen darstellen. Mit seinem Lehrbuch „Grundlagen einer nachhaltigen Wirtschaftslehre“ versucht er einen wichtigen Schritt dahingehend, Nachhaltigkeit im Wirtschaftsstudium zu verankern. Auch allgemein forderte er in seinem Vortrag, dass Nachhaltigkeit endlich in den Universitäten in den Studiengängen gelehrt werden müsste.

So ein produktives und ergebnisorientiertes Arbeiten funktioniert jedoch nicht ohne ein angemessenes Rahmenprogramm. Das Organisationsteam legten sich hierfür mächtig ins Zeug und versorgte die hungrigen Mägen mit schmackhaften vegetarischen Speisen. aus ökologischen, regionalen und fairen Anbaubedingungen. Abends gab es Zeit zum persönlichen Austausch und die Möglichkeit, in einer Neuköllner Kneipe die Seele baumeln zu lassen.

Wer mehr über die Konferenz, die Inputvorträge und die Workshop-Ergebnisse erfahren möchte, wird auf dem Blog der Konferenz fündig!